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  • 13 – Der vergessene Code der Zyklen

    13 – Der vergessene Code der Zyklen

    Die Erfindung einer Unglückszahl

    Die Zahl 13 als Unglückszahl zu bezeichnen gehört zu den hartnäckigsten Erzählungen unserer Kultur. In vielen Gebäuden fehlt der 13. Stock, auf manchen Flügen gibt es keine Reihe 13, und der Freitag der 13. gilt bis heute als Tag des Unheils. So wurde die 13 nicht nur aus dem Alltag verbannt, sondern schleichend auch aus unserem kollektiven Bewusstsein.

    Diese Angst ist nicht naturgegeben, sondern konditioniert – in der Psychologie als Triskaidekaphobie bekannt. Statistisch ist längst gesichert, dass an Freitagen, die auf den 13. fallen, nicht mehr Unglücke geschehen als an anderen Tagen. Die Furcht lebt weniger von Erfahrung als von Wiederholung.

    Die Rhythmen der Natur sind zyklisch

    Doch das «Betriebssystem der Natur» basiert auffallend oft auf der Zahl 13. Viele ihrer Rhythmen folgen keiner linearen Ordnung, sondern zyklischen Bewegungen. Der Mond umkreist die Erde etwa 12,37 Mal pro Jahr – in alten Mondkalendern seit jeher auf 13 Monde gerundet. Der weibliche Zyklus folgt häufig einem Rhythmus von rund 28 Tagen, was ebenfalls etwa 13 Zyklen pro Jahr ergibt.

    In frühen Kulturen galt die 13 deshalb als Zahl der Zeit, der Wandlung und der Erneuerung.

    Der Moment zwischen Ende und Anfang

    Die Zahl 13 ist nicht Ende und nicht Anfang.
    Sie steht für den Funken, für die Initialzündung der Erneuerung – für den Übergang zwischen dem, was war, und dem, was wird.

    Tarotkarte «XIII Der Tod» – Transformation

    Auch in der Bildsprache des Tarots trägt die Zahl 13 diese Bedeutung. Die dreizehnte Karte, «XIII Der Tod», wird oft missverstanden und gefürchtet. Dabei steht sie im Tarot nicht (nur) für das physische Sterben, sondern für Transformation.

    Sie markiert das Ende eines Zustands, einer Identität oder eines Zyklus, um Raum für Erneuerung zu schaffen. Alles, was nicht mehr lebendig ist, darf gehen, damit etwas Neues entstehen kann. In diesem Sinn verkörpert die Karte genau jenen Übergang zwischen Ende und Anfang – den Moment der Wandlung, den Funken, aus dem Entwicklung entsteht.

    Kosmische Ordnung und ausgeblendete Systeme

    Auch der Himmel kennt die 13. Astronomisch durchläuft die Sonne tatsächlich 13 Sternbilder, darunter Ophiuchus, den Schlangenträger. Er blieb ausserhalb des klassischen Tierkreises – nicht, weil er nicht existiert, sondern weil er nicht ins gewählte System passte.

    Ähnlich verhält es sich mit der Mathematik der Natur: In der Fibonacci-Folge, die sich in Spiralformen, Pflanzenwachstum und natürlichen Ordnungen zeigt, erscheint die 13 als Teil eines universellen Wachstumscodes.

    13 – Bedrohung der christlich-patriarchalen Weltordnung?

    Mit der Ausbreitung hierarchischer und linearer Weltbilder gerieten zyklische Prinzipien zunehmend an den Rand. Die theologischen und institutionellen Grundlagen des Christentums wurden über Jahrhunderte hinweg fast ausschliesslich von Männern geprägt.

    In diesem Rahmen verloren körperliche, erdverbundene und weiblich konnotierte Formen von Spiritualität an Anerkennung und wurden zunehmend mit Misstrauen betrachtet. Weiblichkeit erschien weniger als Trägerin von Weisheit, Zeit und Erneuerung, sondern als etwas Unberechenbares, das eingeordnet, kontrolliert oder moralisch reguliert werden musste.

    Die Abwertung und Verteufelung des Weiblichen wurde so zu einem wirksamen Mittel, um Ordnung zu sichern und Machtstrukturen zu stabilisieren. Was sich nicht klar integrieren liess, wurde umgedeutet – oft mit einem Beigeschmack von Schuld oder Gefahr.

    Das letzte Abendmahl – 13 als Zahl des Verräters

    Beim letzten Abendmahl waren dreizehn Personen anwesend – Jesus und seine zwölf Jünger. Die geschlossene Ordnung der Zwölf wurde später durch den Verrat eines Einzelnen rückblickend gebrochen.

    Im kulturellen Gedächtnis verlagerte sich der Fokus jedoch: Nicht mehr die Person, sondern die Zahl selbst wurde zunehmend zum Träger des Unheils. So begann die 13, für Überschreitung und Störung zu stehen.

    Maria Magdalena – Apostolin der Apostel

    In einer anderen, zeitlich davon unabhängigen Szene tritt Maria Magdalena hervor. In den Evangelien wird sie als enge Weggefährtin Jesu und als erste Zeugin seiner Auferstehung beschrieben. Sie wird gesandt, die Botschaft weiterzutragen – eine zutiefst apostolische Handlung.

    In der frühen Kirche wurde sie deshalb auch als Apostola Apostolorum, als Apostolin der Apostel, bezeichnet. Eine solche Rolle liess sich jedoch kaum in ein zunehmend hierarchisches, männlich geprägtes Kirchenverständnis integrieren. Ihre Bedeutung wurde im Verlauf der kirchlichen Geschichtsschreibung verschoben und reduziert.

    So verbinden sich Zahl und Figur weniger durch historische Zählung als durch symbolische Resonanz: Beide markieren den Punkt, an dem bestehende Ordnung in Wandlung übergeht – dort, wo Erneuerung beginnt und Kontrolle endet.

    Ob Maria Magdalena je als „13. Apostelin“ gedacht wurde, lässt sich nicht belegen. Doch die wiederkehrende Vermutung weist darauf hin, dass weibliche spirituelle Autorität im offiziellen Narrativ oft keinen festen Platz fand.

    Die Rückkehr der 13 ins Bewusstsein

    So scheint die Zahl 13 immer wieder dort aufzutauchen, wo Übergänge, Erneuerung und zyklische Ordnung berührt werden – und ebenso oft dort zu verschwinden, wo Systeme nach Vereinfachung und Kontrolle streben.

    Die 13 zu meiden bedeutet vielleicht mehr, als nur eine Zahl auszulassen. Symbolisch betrachtet entfernen wir damit eine Verbindung zu natürlichen Zeiten: zu den Rhythmen des Mondes, des Körpers, der Erde und der Jahreszeiten.

    Die Zahl 13 zu dämonisieren ist, als würde man den Schlüssel fürchten, der Wandel ermöglicht.

    Schlussgedanke

    Die 13 wieder ins Bewusstsein zu holen heisst nicht, Aberglauben zu ersetzen, sondern ihn zu hinterfragen. Nicht Unglück steht im Zentrum, sondern Balance. Nicht Chaos, sondern die Erinnerung daran, dass Erneuerung Teil der Ordnung ist – ein leiser, fast vergessener Code, der uns daran erinnert, wie sehr alles Leben im Wandel schwingt.

    noch mehr zur Bedeutung der Zahl 13 findest du hier.
    interessanter Artikel zur Veränderung des Sternenhimmels mit Einbezug des vermeindlichen 13. Sternzeichens
    interessanter Artikel wie die Fibonacci Folge sich in der Natur immer wieder findet.

  • Supernova – das unübersehbare Zeichen

    Supernova – das unübersehbare Zeichen

    “…Eine Supernova (von lateinisch stella nova, super  ‚neuer Stern, darüber hinaus‘; Plural Supernovae) ist das kurzzeitige, helle Aufleuchten eines massereichen Sterns am Ende seiner Lebenszeit durch eine Explosion, bei welcher der ursprüngliche Stern selbst vernichtet wird. Die Leuchtkraft des Sterns nimmt dabei millionen- bis milliardenfach zu, er wird für kurze Zeit so hell wie eine ganze Galaxie.
    Dabei wird innerhalb von Sekunden etwa ein Foe (1044 J) beobachtbare Energie freigesetzt. Dies entspricht einem Wert von ca. 3e28 TWh (Terawattstunden). Zum Vergleich: hätte die Sonne während ihrer gesamten Lebensdauer ihre derzeitige Leuchtkraft, würde sie ca. 1,2 foe an Energie freisetzen…“

    – Definition Auszug Wikipedia (Bild @Pixabay)

    Foto: ©️Official Sharon den Adel Facebook-Page

    Vor ein paar Jahren, gerade hatte die Band Within Temptation ein neues Album veröffentlicht, besuchte ich eines ihrer Konzerte. Die Konzerte dieser Band sind für mich immer sehr emotional. Da wäre zum einen Sharon den Adels glasklare helle Stimme und die zumeist bombastisch orchestral produzierten Songs. Doch auch die Texte berühren mich oft sehr stark, sind sie doch auch gesellschaftskritisch, befassen sich mit Irrungen und Wirrungen des menschlichen Daseins. Die Band, allen voran Sharon, scheut sich nicht, sich zu sozialen und politischen Themen zu äussern und auf der Bühne dazu auch klare Statements abzugeben. So steht Sharon beim Song „Raise your banner“, die Ukraine-Flagge schwingend, auf der Bühne oder schnappt sich beim Song „Stand my ground“ schon mal die Pride Flagge eines Fans und hält sie hoch. Feminismus, an sich und seine Kraft glauben, die Hoffnung nicht aufgeben, für sich einstehen, für Frieden einstehen, für seine Rechte einstehen. Auch abseits der Bühne steht die Band klar zu ihrem humanistischen Menschenbild. 

    Der Song „Supernova“ ging mir sogleich ins Ohr, als ich mir das damals aktuelle Album der Band „Resist“ anhörte. Es berührte mich und holte mich ab, obwohl ich mir den Text damals noch nicht so genau angesehen habe. 
    An diesem besagten Konzert, sprach Sharon beim Intro des Songs einige Worte: 

    Ich bekam augenblicklich Gänsehaut. Als wäre das nicht genug, wurde im Hintergrund eine menschliche Silhouette auf die Leinwand projiziert, die mit ausgebreiteten Armen und leuchtend wie eine Supernova immer höher in den Himmel stieg.

    Ja, auch ich kenne diesen Schmerz. Ein Schmerz von dem man lange glaubt, er würde nie vergehen und nie heilen. Und ja, ich kann sagen, das tut er auch nicht. Diese Wunde wird sich nie ganz schliessen. Man kann lernen damit umzugehen, man kann lernen sein Leben (trotzdem) weiter zu leben und es zu geniessen. 

    In diesem Song geht es darum, das jemand in diesem Schmerz fast erstickt und trotzdem eigentlich einfach noch tiefer eintauchen möchte. Man erwartet ein riesiges, unübersehbares Zeichen, eine Supernova, dass es dem Verstorbenen gut geht, da wo er jetzt ist. Und vielleicht auch die Erlaubnis, sein Leben trotzdem weiter zu leben. 

    Sharons Worte dazu (sinngemäss):

    Warten wir also nicht darauf, dass uns das Universum oder unsere Lieben eine unübersehbare Supernova am Himmel zeigen. Auch ich habe sehr lange gehofft, gebetet und nach diesem unübersehbaren Zeichen Ausschau gehalten. Manchmal tu ich das immer noch. Doch, ja, vor lauter Erwartung, es müsse klar und deutlich und laut und grell und unübersehbar sein, sind mir damals vielleicht die wahren, leisen, pastellfarbenen Zeichen entgangen. Wer weiss? Achten wir uns auf die alltäglichen, kleinen Dinge die uns umgeben und die uns zeigen, die Energie, die Seele ist unsterblich, sie lebt weiter und wird es immer tun. 
    Für mich ist so ein Zeichen, das mich nun schon seit 27 Jahren begleitet, der Regenbogen. Wenn ein Solcher sich am Firmament zeigt weiss ich, das ist ein Zeichen von meinem Bruder. Das war so, ist so und wird für mich immer so sein.

    Foto: ©️G.Baumgartner

    Was sind für Dich solche kleinen Zeichen? Magst Du sie mit mir und uns teilen? Schreibe sie doch in die Kommentare wenn Du magst…..

    Hier die akustische Version zu dem Song.
    Es macht ihn zumindest für mich intimer und noch stimmungsvoller.

    Song: ©️2018 Universal Music GmbH
    Songwriter: Songwriter: Sharon J. Den Adel / Robert Westerholt / Daniel Gibson / William Douglas Burr Knox
    Songtext von Supernova © Eva Luna Music, The Right Tracks And Songs, Raw Sound Publishing
    Video: ©️2020 Muziek bij VRT 1

    Supernova

    I’m waiting for you, supernova

    I‘m waiting for you, supernova, supernova, supernova
    I‘m waiting for you, supernova, supernova, supernova

    Drowning in a haze and I just wanne get in deeper
    Purple skies mit a million stars, I‘m floating round
    These day‘s when I‘m losing track of time
    These days when I‘m burning up inside
    These when I‘m lost and search the skies…

    …I‘m waiting for your last goodbye
    ‘Cause I‘m not over it, not over it
    I‘m waiting for your last goodby
    The kiss of time
    Like thunder screaming out for a flash of lightning
    Stars are falling down for God‘s applause
    I‘m waiting for the light of your supernova
    Your last goodbye

    I‘m waiting for you, supernova, supernova, supernova
    I‘m waiting for you

    When the lights go down, I‘m still here and I‘m singing for you
    When the lights go down, I can‘t let the music fade
    I dive in deep and soar so high, I blow the ashes through the sky
    On a hill, I‘m here to say goodbye

    I‘m waiting for your last goodbye
    ‘Cause I‘m not over it, not over it
    I‘m waiting for your last goodby
    The kiss of time
    Like thunder screaming out for a flash of lightning
    Stars are falling down for God‘s applause
    I‘m waiting for the light of your supernova
    Your last goodbye
    I‘m waiting for you

    As long as I dream it ain‘t over
    I‘ll break the chains of gravity
    Oh Iong for your fire, yeah, I long for your fire
    My heart is lost beween the stars

    Drowning in a haze and I just wanne get in deeper, deeper, deeper

    I‘m waiting for your last goodbye
    ‘Cause I‘m not over it, not over it
    I‘m waiting for your last goodby
    The kiss of time
    Like thunder screaming out for a flash of lightning
    Stars are falling down for God‘s applause
    I‘m waiting for the light of your supernova
    Your last goodbye

    I‘m waiting for you supernova

    I‘m waiting for you, supernova, supernova, supernova
    I‘m waiting for you, supernova, supernova, supernova

    Drownign in a haze and I just wanna get in deeper, deeper, deeper, deeper

    Supernova

    Ich warte auf Dich, Supernova

    Ich warte auf Dich, Supernova, Supernova, Supernova
    Ich warte auf Dich, Supernova, Supernova, Supernova

    Ich ertrinke im Dunst, und möchte einfach nur noch tiefer rein
    Lila Himmel mit millionen Sternen, ich schwebe herum
    An diesen Tagen, wenn ich das Zeitgefühl verliere
    An diesen Tagen, wenn ich innerlich verbrenne
    An diesen Tagen wenn ich verloren bin und denn Himmel absuche…

    …warte ich auf Dein letztes Lebewohl
    Denn ich bin noch nicht drüber hinweg, drüber hinweg
    warte auf Dein letztes Lebewohl
    Denn Kuss der Zeit
    Wie ein Donner der nach einem Blitz schreit
    Sterne die für Gottes Applaus vom Himmel fallen
    warte ich auf das Licht Deiner Supernova,
    Dein letztes Lebewohl

    Ich warte auf Dich, Supernova, Supernova, Supernova
    Ich warte auf Dich

    Wenn die Lichter ausgehen bin ich immer noch hier und singe für Dich
    Wenn die Lichter ausegehen, kann ich die Musik nicht verklingen lassen
    Ich tauche tief ein und schwebe hoch hinauf, ich puste die Asche in den Himmel
    Ich bin auf einem Hügel um Lebewohl zu sagen.

    Ich warte auf Dein letztes Lebewohl
    Denn ich bin noch nicht drüber hinweg, drüber hinweg
    warte auf Dein letztes Lebewohl
    Denn Kuss der Zeit
    Wie ein Donner der nach einem Blitz schreit
    Sterne die für Gottes Applaus vom Himmel fallen
    warte ich auf das Licht Deiner Supernova,
    Dein letztes Lebewohl

    Solange ich träume, ist es noch nicht vorbei
    Ich werde die Ketten der Schwerkraft sprengen
    Oh ich sehne mich nach Deinem Feuer, ja, ich sehne mich nach Deinem Feuer
    Mein Herz ist verloren zwischen den Sternen. 

    Ertrinke im Dunst und möchte einfach nur noch tiefer rein, tiefer, tiefer, tiefer

    Ich warte auf Dein letztes Lebewohl
    Denn ich bin noch nicht drüber hinweg, drüber hinweg
    warte auf Dein letztes Lebewohl
    Denn Kuss der Zeit
    Wie ein Donner der nach einem Blitz schreit
    Sterne die für Gottes Applaus vom Himmel fallen
    warte ich auf das Licht Deiner Supernova,
    Dein letztes Lebewohl

    Ich warte auf Dich, Supernova

    Ich warte auf Dich, Supernova, Supernova, Supernova
    Ich warte auf Dich, Supernova, Supernova, Supernova

    Ertrinke im Dunst und möchte einfach nur noch tiefer rein, tiefer, tiefer, tiefer

    Und zu guter Letzt noch das Original Video.
    Mit allem Sound und Power was die Band zu bieten hat.

    Video by Set Vexy
    VFX by Wesley Versteeg

    Urheberrechtshinweis: Ich bin weder Komponist noch Texter der hier geposteten Songs, Videos und Texten und bin weder finanziell noch anderweitig beteiligt und generiere mit den geposteten Texten und Videos kein Einkommen.

  • Erwachen der Selbstliebe

    Erwachen der Selbstliebe

    Neulich, bei einem Telefongespräch mit einer mir sehr nahestehenden Person, kamen wir auf das Thema Freundschaft zu sprechen. Die Person erzählte mir von einem Vorfall, der sich nur wenige Stunden zuvor ereignet hatte.

    Im Grunde ging es darum, dass sie von jemandem, mit dem sie eine jahrzehntelange, tiefe Freundschaft pflegte, erneut verletzt wurde – scheinbar ohne ersichtlichen Grund. Quasi aus heiterem Himmel.

    Nachdem sie mir die ganze Geschichte erzählt hatte, wusste ich: Es hat sich etwas verändert. Irgendetwas ist in ihr zerbrochen – oder vielleicht vielmehr aufgebrochen?

    Es kann passieren, dass selbst jahrzehntelange Freundschaften auf die Probe gestellt werden, auf Eis gelegt oder gar zerbrechen, wenn jemand beginnt, zu erwachen. Wenn jemand anfängt, den eigenen Wert, die eigene wundervolle Seele zu erkennen – und für deren Gesundheit und Unversehrtheit einzustehen.

    Viele Menschen in meinem Umfeld haben ein Herz aus Gold. Sie sind allzeit bereit, für andere durchs Feuer zu gehen. Viele von uns wurden so sozialisiert: Man passt sich an. Man hilft. Man stellt andere an erste Stelle. Man fällt nicht auf. Man steht nicht zu den eigenen Bedürfnissen oder Meinungen – aus Angst, jemandem weh zu tun.

    Den Wenigsten wurde beigebracht, was Selbstakzeptanz, Selbstliebe und Selbstfürsorge wirklich bedeuten. Und genau daraus entstehen emotionale Abhängigkeiten.

    Beziehungen oder Freundschaften, die nicht ausgeglichen sind – in denen eine Person, oft unbewusst, das Metronom darstellt und den Takt angibt, nach dem sich die andere richtet. Solche Beziehungen finden nicht auf Augenhöhe statt. Sie können lange, sehr lange gut gehen. Bis die Person, die sich zu sehr angepasst hat, erkennt:

    Wir alle haben diese Erfahrungen in irgendeiner Form gemacht. Wir wissen, dass Erwachen und Bewusstwerden selten schmerzfrei sind – manchmal auch nicht verlustfrei auf der Beziehungs- oder Freundschaftsebene.

    Doch frag dich selbst: „Was ist mir wichtiger: Um jeden Preis eine Freundschaft oder Beziehung aufrechtzuerhalten, die mich immer wieder runterzieht, mein Selbstwertgefühl ins Wanken bringt und mich klein hält? Oder bin ich mir selbst genug – fühle mich wohl, geborgen und sicher in meiner eigenen Gesellschaft, sodass ich auf emotional missbräuchliche Freundschaften nicht mehr angewiesen bin?“

    Wenn man Zweiteres wählt, hat das Konsequenzen. Schmerzliche, aufwühlende, wachrüttelnde. Aber eben auch schöne, befreiende, erhebende.

    Ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn man mit sich im Reinen ist, zieht man immer mehr Menschen an, die einem guttun. (Andere kommen nicht mehr oder verabschieden sich – manche laut, andere still und leise.)

    Es treten Menschen ins Licht, die einem das Gefühl geben, auf gleicher Ebene zu sein. Die nicht aus jeder Meinungsverschiedenheit eine Staatsaffäre machen. Die einen nehmen und lassen, wie man ist. Die ermutigen, auf das Herz zu hören, Dinge zu tun, die Freude machen und guttun. Die immer wieder sagen: „Sorge für dich.“

    Sie sind auch diejenigen, die im Sturm an deiner Seite stehen – so, wie du es gerade brauchst. Die dir den Spiegel vorhalten, dich liebevoll anschubsen oder dich einfach schweigend in den Arm nehmen.

    Ihre Liebe ist nicht an Bedingungen geknüpft. Es gibt keine Bilanzrechnung, wer wem wann wie viele Gefallen getan hat. Und keine Buchführung darüber, wer wem was noch schuldig ist.

    Ich bin meiner Chosen Family zutiefst dankbar, dass sie mir diese Liebe immer wieder aufs Neue schenkt. Dass ich nach vielen anderen Erfahrungen erleben darf, dass es bedingungslose, wahre Freundschaft und Liebe tatsächlich gibt.

    Nichts anderes hast du, habe ich, haben wir alle verdient.

    Es lohnt sich, den Weg zu Selbstakzeptanz, Selbstliebe und Selbstfürsorge zu gehen. Es ist kein Sonntagsspaziergang am Seeufer. Es ist eine Berg- und Talfahrt. Man bekommt wunde Fusssohlen, vielleicht auch Blasen.

    Doch der Frieden, die Freiheit und die Geborgenheit, die man dadurch gewinnt – sind es am Ende mehr als wert.

    Keep on keeping on.